Veröffentlicht am: 08.12.2017

Warum Lesen manchen Kindern so schwer fällt

Warum Lesen manchen Kindern so schwer fällt

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) sieht seine Forderungen zu mehr Bildungsgerechtigkeit durch die IGLU-Studie bestärkt.

Berlin, 08.12.2017

Auch in diesem Jahr werden viele Kinder Bücher unterm Weihnachtsbaum finden, die sie selber nie lesen werden. Eltern wissen, wie wichtig das Lesen für ihre Kinder ist und versuchen, das Interesse am Lesen durch Buchgeschenke zu fördern. Doch von einigen Kindern werden diese Bücher nie gelesen; nicht, weil ihnen das Interesse am Inhalt fehlt, sondern weil das Lesen so mühsam ist, dass sie keinen Spaß am Lesen entwickeln. Die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) 2016 zeigen, dass man in Deutschland deutlich mehr tun muss, um den Kindern die wichtige Kulturtechnik des Lesens beizubringen. Viele OECD-Staaten haben Deutschland überholt und es ist ihnen gelungen, die Leseleistungen im Grundschulbereich zu verbessern.

„Mir wurde erst bei den Mathematikhausaufgaben klar, dass meine Tochter noch gar nicht sinnentnehmend lesen kann. Sie hatte große Mühe, die Aufgabenstellung zu erlesen und so konnte sie sich gar nicht auf den Inhalt konzentrieren“, sagt die Mutter von Marie (4. Klasse). Der BVL hört diese Aussagen sehr häufig bei Beratungsgesprächen, denn es fehlt oftmals in der Schule, aber auch zu Hause, die Zeit, mit den Kindern gemeinsam zu lesen. So fällt es bei einigen Kindern erst sehr spät auf, dass sie nicht richtig lesen können.

„Insbesondere Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung erhalten in den Schulen zu wenig gezielte Förderung“, sagt Christine Sczygiel, Bundesvorsitzende des BVL. „Die Erwartung der Schulen, dass Eltern intensiv mit ihren Kindern üben, löst das Problem nicht, da Deutschland weiterhin zu den Staaten gehört, in denen die sozialbedingten Leistungsunterschiede am höchsten ausfallen. Nicht alle Eltern sind in der Lage, ihre Kinder zu fördern, deshalb müssen die Schulen aktiv werden“, fordert Sczygiel.

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. (BVL) sieht es in der Verantwortung der Schulen, gezielt mehr Ressourcen einzuplanen, um Kinder intensiver zu fördern. Insbesondere für Kinder mit einer Legasthenie fehlen bis heute qualifizierte Förderkräfte, die diese Kinder schulisch unterstützen. Dass die Ursache dieser lang andauernden Beeinträchtigungen im Lesen auch eine Legasthenie sein kann, wird oftmals viel zu spät erkannt. Der BVL rät daher Eltern, regelmäßig mit ihren Kindern zu lesen und sich bei Auffälligkeiten Rat beim BVL zu holen, wie das Kind bestmöglich unterstützt werden kann. Eine frühzeitige Diagnostik einer Legasthenie kann viel Leid ersparen.

Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und Dyskalkulie sind im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

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